Zucker aus Yoga-Sicht: Wie schädlich er ist und wie du deine Zuckersucht loswirst

27 Okt

Zucker macht nicht nur dick, sondern kann auch ein Stolperstein auf deinem Yoga-Weg sein. Warum das so ist und wie du deine Ernährung umstellst, ohne auf das süße Leben zu verzichten, verrät Bernita Müller von Wainando:

Deutsche essen zu viel Zucker

Rund 100 Gramm Zucker essen die Deutschen pro Tag – 75 Gramm mehr als die WHO empfiehlt. Selbst wer sich gesund ernährt, erreicht aufgrund versteckter Zucker-Fallen schnell sein Limit. So enthält ein Glas Limonade bereits 20 Gramm Zucker, ein Becher Fruchtjogurt sogar 30 Gramm.

Übermäßiger Zuckerkonsum kann zu Diabetes und natürlich zu Übergewicht führen, das wiederum die Risiken für Folgeerkrankungen wie die koronare Herzkrankheit oder Gicht um das zwei- bis dreifache erhöht. Deshalb ist Zucker schon zum Politikum geworden: Das Bundesernährungsministerium setzt sich beispielsweise dafür ein, dass industriell hergestellte Lebensmittel weniger Zucker erhalten. Bis es soweit ist, ist allerdings jeder einzelne gefragt, auf seine Ernährung zu achten. Vor allem, wenn er regelmäßig Yoga übt.

Zuckersucht als Yoga-Hindernis

Kinder lieben Zucker. Damit sie nicht zu viel davon essen, gibt es in vielen Haushalten nur hin und wieder Süßes, etwa zu bestimmten Anlässen. Pralinen zum Geburtstag oder die berühmte Trostschokolade aktivieren jedoch das Belohnungszentrum im Gehirn, das der viele Zucker sowieso stimuliert. So gewöhnen wir uns von klein auf daran, negative Gefühle mit Frustessen zu beseitigen oder uns nach dem erfolgreichen Abschluss einer schwierigen Aufgabe mit einem Becher Eis zu belohnen.

Diese Konditionierung kann zu einer Art Zuckersucht führen, die sich Studien zufolge auch im Gehirn und im Verhalten nachweisen lässt. Mäuse beispielsweise, die vier Wochen nur Zuckerwasser bekamen, zeigen nach einer Umstellung auf normales Futter Entzugserscheinungen wie Drogensüchtige. Zittern, Angst, Unruhe und eine Veränderung im Gehirn waren zu beobachten. Inwiefern man aber tatsächlich von einer „Zucker-Sucht“ sprechen kann, ist noch nicht geklärt.

Und was hat das nun mit Yoga zu tun?

Das Ziel des Yoga ist es, den Menschen zu befreien. Von der Welt, seiner Lebenssituation, von Gedanken und Gefühlen, kurzum von allem, was ihn einschränkt. Wer sich diesem Ziel verschrieben hat und gleichzeitig Süßes braucht, um seinen Frust zu dämpfen, stellt sich selbst ein Bein. Er nährt eine – wenn auch subtile – Abhängigkeit, die letztlich kein Problem lösen und stattdessen neue schaffen wird.

Aber es gibt noch weitere Gründe, warum Zucker von vielen Yoga-Übenden kritisch beäugt wird.

Yogische Ernährung ist „sattvisch“

Wie der Ayurveda kennt der Yoga drei verschiedene Eigenschaften, die Essen haben kann. Entweder es ist „tamasig“ und macht träge, es ist „rajasig“ und fördert die Unruhe oder es ist „sattvisch“ und sorgt für einen klaren Geist. Natürlich bevorzugen Yogis sattvische Nahrung, um die Effekte der Asanas und Pranayama-Übungen zu unterstützen, die den Geist ebenfalls klären sollen.

Zucker wird dem „Rajas“ zugeordnet und gehört damit zu der Gruppe der Lebensmittel, die uns eher emotional aufwühlen und den Geist schwer kontrollierbar machen. Interessanterweise passt die Beobachtung aus dem alten Indien gut zu ernährungsmedizinischen Forschungen: Schnell verwertbarer Zucker lässt den Blutzuckerspiegel rasch ansteigen, wir haben auf einmal viel Energie, die in die richtigen Bahnen gelenkt werden will. Bald darauf kippt das Ganze jedoch, die Energie ist verbraucht und wir fallen in ein Loch.

Beide Zustände sind für die Yoga-Praxis eher hinderlich, arbeitet man doch daran, einen konstanten Energiepegel zu halten. So steht immer genug Kraft für Achtsamkeits- oder Körperübungen zur Verfügung, ohne Überschüsse zu produzieren, die sich in Unruhe ausdrücken.

Zu typisch sattvischen Lebensmitteln gehören übrigens Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte und Obst und Gemüse.

Zucker im Alltag vermeiden – aber wie?

Neben den üblichen Verdächtigen gibt es eine ganze Reihe an versteckten Zucker-Fallen, denen man mit ein bisschen Übung allerdings auf die Schliche kommen kann.

In der Regel hilft ein Blick auf die Zutatenliste von Fertigprodukten: Es gibt 50 verschiedene Begriffe für „Zucker“, viele enden auf „-ose“ oder „-sirup“. Auch die Nährwerttabelle hilft einzuschätzen, wie viel Zucker man gerade zu sich nimmt. Besonders bei typischen Zucker-Fallen wie Tomatensoße, Sekt, Ketchup, Joghurt, Salat-Dressing und Müsli solltest du genau hinschauen.

Wenn dann doch einmal der kleine Hunger kommt, sollten leckere, gesunde Snacks griffbereit sein. Die Auswahl ist größer, als du vielleicht denkst: Frisches Obst, Trockenfrüchte, Gemüseschnittchen mit Quark-Dips oder Hummus, Nüsse, Reiswaffeln und ungesüßter Joghurt sind schnell zur Hand. Wer den Kochlöffel schwingen möchte, bereitet Apfel-Donuts, Avocado-Cremes oder Grünkohl-Chips vor.

Tipps für die Zucker-Detox-Kur

Um sich den Einstieg in ein Leben mit weniger Zucker zu erleichtern und seinen Körper von Altlasten zu befreien, bietet sich eine Zucker-Detox-Kur an. Ein dreiwöchiges Stufen-Programm verlangt zwar etwas Durchhaltevermögen, aber es lohnt sich. Und: Zucker zu reduzieren, heißt nicht, auf Genuss zu verzichten!

In der ersten Woche geht es darum, alle offensichtlichen Zuckerquellen wie Schokolade, Cola oder Gebäck zu verbannen. In der zweiten Woche geht es dann den verstecken Zucker-Fallen an den Kragen. Danach werden auch Weißmehlprodukte gestrichen, die den Blutzuckerspiegel ebenfalls in die Höhe schießen lassen.

Die Folge: Heißhungerattacken auf Schokolade und Co. nehmen immer mehr ab. Wenn sich dein Körper umgestellt hat, wird es dir nicht mehr schwer fallen, auf zuckerfreie Alternativen auszuweichen.

Wer Unterstützung braucht, kann sich beispielsweise mit anderen zusammentun und gemeinsam detoxen. Leichter fällt der Zucker-Verzicht auch bei einer Detox-Kur fernab der gewohnten Umgebung, die alte Muster eher bestärkt.

Fazit

Auch bei Zucker gilt: Die Dosis macht das Gift. Rund um die Uhr auf Zucker zu verzichten, ist nicht notwendig. Seinen Zuckerkonsum kritisch zu hinterfragen und bei Bedarf zu reduzieren, lohnt sich allerdings – nicht nur aus gesundheitlichen Gründen, sondern auch für die eigene Yoga-Praxis.

 

Herzlichen Dank an meine Gastautorin Bernita Müller für diesen spannenden und informativen Artikel!!


Über Bernita Müller:

Bernita Müller hat Ausbildungen im Bereich Yoga und Meditation absolviert und arbeitet in der Touristikbranche. Zusammen mit Michaela Müller gründete sie vor zwei Jahren „Wainando“, einen Online-Reiseveranstalter mit den Schwerpunkten Yoga, Detox, Ayurveda und Naturerfahrungen, um ihre Leidenschaft für Yoga und Reisen zu verbinden und noch mehr Menschen intensive Erfahrungen in diesem Bereich zu ermöglichen.


 

 

Eine Antwort to “Zucker aus Yoga-Sicht: Wie schädlich er ist und wie du deine Zuckersucht loswirst”

  1. Angelika 30. Oktober 2017 um 4:34 pm #

    Ich mache zwar kein Yoga, aber viel Tai Chi und Qi Gong. Und seit ein paar Monaten lebe ich zuckerfrei. Ich kann es jedenfalls bestätigen, dass sich meine Übungspraxis und mein Inneres Erleben deutlich geändert und verbessert hat, seit ich meine Ernährung umgestellt habe!

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