Thai-Kinderyoga – eine Bereicherung für die Familie

Berührung ist derzeit ein großes Thema, leider nicht immer im positiven Sinne. In Kitas, Schulen, Betreuungen wird immer mehr zur Regel, die Kinder nicht zu berühren, ja, teilweise nicht mal mehr berührend zu trösten… Eine erschreckende Entwicklung, wie ich finde. Gerade in der heutigen Zeit, in der unsere Kinder immer mehr fremdbetreut werden, weil oftmals beide Eltern arbeiten müssen, kann Berührung so schnell zur Mangelware werden. So erlebe ich häufig auch Eltern, die sich unsicher sind, dabei ist Berührung ein Grundbedürfnis und lebenswichtig, um ein glücklicher und gesunder Mensch zu sein.

Glückshormone durch Berührung

Wahrscheinlich hast Du es auch schon gelesen, eine Umarmung von etwa 20 Sekunden reicht aus, um Oxytocin auszuschütten. Dieser, auch Bindungshormon genannte Stoff ist eine Art Antidepressivum und wird beispielsweise auch bei stillenden Müttern ausgeschüttet, um die Bindung zu stärken. Ganz platt gesagt macht er uns glücklich, denn bei einer liebevollen Berührung werden Hormone wie Dopamin und Serotonin (umgangssprachlich auch Glückshormone genannt) ausgeschüttet und Cortisol, sowie der Blutdruck und die Herzfrequenz werden gesenkt. Außerdem beruhigt es unser vegetatives Nervensystem und wirkt direkt auf den Parasympathikus (das ist der Teil des Gehirns, der für Entspannung zuständig ist, sozusagen die Bremse im System). Da die Haut unser größtes Sinnesorgan ist, braucht es eigentlich nicht viel Erklärung, um zu verstehen warum das so ist.

Wirkungen von Thai-Yoga-Massage

Die Wissenschaft beschäftigt sich zurzeit auch viel mit diesem Thema und kommt einhellig zu dem Ergebnis, dass wir Berührung brauchen, gleichwohl sie in unserer Gesellschaft immer weniger wird. Menschen, die häufig berührt werden, haben in der Regel ein stärkeres Immunsystem, sind stressresistenter und seelisch stabiler, sogar Angstzustände können vermindert werden.

Unsere Gesellschaft ist leider jedoch nicht darauf ausgelegt, die wirklich wichtigen Bedürfnisse von uns Menschen zu erfüllen, im Gegenteil. Wir sehen Menschen oft wie Maschinen, die Leistung bringen müssen, Anforderungen erfüllen müssen, funktionieren müssen. Wohin das führt, erleben wir häufig, wir werden krank. Glücklicherweise verändert sich langsam die Sicht hierauf. Viele Menschen stellen fest, dass der Sinn des Lebens wohl nicht darin besteht, nur die Erwartungen anderer zu erfüllen und dass ein teures Auto, die Villa und ein dickes Bankkonto nicht wirklich und nachhaltig glücklich machen. Doch was macht glücklich? Was das ganz individuell bedeutet, kann nur jede/r für sich selbst herausfinden, aber ich würde die Aussage wagen, dass liebevolle, achtsame und absichtslose Berührungen sicher positiv dazu beitragen.

Achtsam. Liebevoll. Absichtslos. Drei Begriffe, die für mich ein wichtiges Element sind, wenn wir über Berührung reden, die nicht nur Deine Haut, sondern ganz tief, Dein Herz und Deine Seele erreichen sollen. Wir berühren instinktiv, scheint also, als wäre uns das in die Wiege gelegt! Sicher kennst Du das auch, Du stößt Dir das Knie und ganz automatisch, ohne darüber nachzudenken, legst Du Deine Hand auf die schmerzende Stelle und streichst oder reibst darüber. Gleiches tun wir auch bei unseren Kindern oder anderen nahestehenden Personen. Wir reiben unserem Kind den Bauch, wenn es Bauchweh hat und streicheln es, wenn wir es trösten. Nicht zu vergessen unsere erste Berührung in dieser Welt: nach der Geburt wurden wir (hoffentlich) unserer Mutter auf den Bauch gelegt und konnten so Bindung erleben und herstellen. Wie wichtig dies ist, zeigt sich auf Frühchen-Stationen. Hier werden die Frühgeborenen ihrer Mutter/Vater nackt auf den Bauch gelegt (Känguruing genannt), dies fördert die Entwicklung. Wir halten fest: Berührung ist essentiell und es ist einfach schön berührt zu werden, vor allem dann, wenn diese Berührung nicht an Bedingungen geknüpft ist!

Berührung beim Thai-Kinderyoga

Hier kommt Thai-Kinderyoga ins Spiel. Im Thai-Kinderyoga geht es um achtsame, hingebungsvolle und bedingungslose Berührung. Wir bewegen und mobilisieren Gelenke und schaffen Entspannung mittels verschiedener Druck- und Dehntechniken. Der Empfänger (in diesem Fall Dein Kind) hat nichts zu tun, außer zu genießen und Dich (den Geber) machen zu lassen. Für Kinder eignen sich zu Beginn hervorragend die Kindshaltung (Balasana) oder eine sitzende Haltung, bzw. auch die Bauchlage. Bei Kindern ist immer darauf zu achten, dass natürlich der Größen- und Gewichtsunterschied mitunter sehr groß ist und auch, dass wir keinen starken Zug auf Gelenke geben. Der Kinderkörper befindet sich im Wachstum und es ist alles noch weicher und beweglicher. Dies ist wichtig zu wissen, damit man nicht zu viel an Druck gibt!

Thai-Kinderyoga bietet Eltern die Möglichkeit, eine liebevolle Begegnung mit ihrem Kind zu haben, auch wenn gerade kuscheln vielleicht nicht so angesagt ist. Ich bin Mama eines Teenagers und mein Sohn ist nicht mehr erpicht auf Kuschelstunden mit Mutti. Aber Thai-Kinderyoga dürfte ich täglich mit ihm machen.

Spüre Nähe und Geborgenheit

Ich habe bereits oben erwähnt, was bei Berührung auch hirnphysiologisch passiert und das zeigt, dass Thai-Kinderyoga eine wundervolle Möglichkeit ist Nähe, Verbindung, liebevolle Zuwendung und Geborgenheit zu spüren. Es gibt wohl nichts schöneres, als die ungeteilte Aufmerksamkeit eines Menschen (hier von Mama oder Papa) für eine halbe Stunde oder mehr zu bekommen! Diese Nähe unterstützt das Kind, ein selbstbewusster Mensch zu werden, der liebevoll angebunden ist an seine Eltern, mit der Gewissheit sich in seiner eigenen Identität entwickeln zu können. Wenn die Kinder klein sind gib ihnen Wurzeln, wenn sie groß werden, gib ihnen Flügel!

Handmassage für dein Kind

Probiere doch mal eine Handmassage aus, nimm Dir und Deinem Kind einen kurzen Moment der Ruhe. Überlasse es Deinem Kind sich in eine Haltung seiner Wahl (sitzen, liegen) zu begeben. Vielleicht machst Du leise Musik an, oder eine schöne Entspannungsgeschichte. Wenn es für Dein Kind möglich ist, kann es gerne die Augen schließen. Halte die Hand deines Kindes mit beiden Händen und beginne mit sanften Streichbewegungen. Du kannst beispielsweise die Zwischenräume zwischen den einzelnen Fingern sanft ausstreichen oder auch kreisende Bewegungen beschreiben. Berühre intuitiv, langsam und sanft. Eine Berührung, die von Herzen kommt und einfühlsam ist, fühlt sich gut an und Du wirst nichts verkehrt machen.

 

Wirkung: Die Hände gelten in der feinstofflichen Anatomie des „Thai Yoga“ als Verlängerung des Herzens. Die Hände zu massieren, hat daher für Dein Kind eine sehr entspannende, beruhigende und herzöffnende Qualität. Außerdem sind gerade bei Schulkindern die Hände bisweilen schon verspannt und freuen sich über eine liebevolle Berührung.

Vielleicht hast Du ja Lust bekommen, Thai-Kinderyoga kennenzulernen, dann freue ich mich sehr auf eine berührende Begegnung mit Dir! Danke für Deine Zeit!

Von Herzen Namaste
Sandra

Dieser Gastartikel wurde von Sandra Walkenhorst geschrieben. Herzlichen Dank für die schöne Beschreibung von Thai-Kinderyoga!

Über Sandra Walkenhorst:

Sandra Walkenhorst ist Dipl. Sozialpädagogin, Yogalehrerin, Kinderyogalehrerin KYA, Thai Yogalehrerin, Mutter eines Sohnes, Begründerin von Thai-Kinderyoga.

Seit zwanzig Jahren arbeitet sie mit Kindern mit sonderpädagogischem Förderbedarf, seit acht Jahren nebenberuflich selbständig als (Kinder-) Yogalehrerin und Dozentin.

Nach der Ausbildung als Thai Yogalehrerin entdeckte sie den hohen Wert dieser Methode auch für Kinder und entwickelte Thai-Kinderyoga.

Aufgrund ihrer langjährigen Erfahrung in der Arbeit mit Kindern liegt ihr besonders am Herzen, den Kindern auf ihrem Weg des Heranwachsens Selbstvertrauen, liebevolles Angenommensein und ihre Fähigkeiten zur Resilienz, sowie salutogenetische Faktoren zu stärken!

 

Bildquelle: © Hanna Witte

 

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