Familienyoga-to-go – unter diesem Motto stelle ich euch hier kleine Übungen für die Vorweihnachtszeit vor. Wann immer ihr Lust und Zeit habt, probiert es aus und gönnt euch bewusst eine achtsame Auszeit. Ihr braucht nicht viel dazu, weder viel Material noch viel Platz oder Vorbereitung. Übrigens: Die Übungen eignen sich auch zu jeder anderen Gelegenheit für euer Familienyoga, nicht nur zu Weihnachten!

Was kann Familienyoga?

Familienyoga kann euch eine schöne achtsame Auszeit schenken. Der Alltag, aber auch besonders die Vorweihnachtszeit, ist mittlerweile von vielen To-Dos und Terminen oder Erwartungen geprägt. Sind es nicht aber viel mehr die kleinen, unkomplizierten Dinge, die uns Leichtigkeit und ein Lächeln aufs Gesicht zaubern? Bei uns im Familienalltag merke ich immer, dass weniger mehr ist. Bei der gemeinsamen Zeit auf der Matte kann gemeinsam ausprobiert, gelacht und gespürt werden. Sorgen, Alltagsdruck und Erwartungen können losgelassen werden, wenn Kinder und Eltern das innere Kind gleichermaßen zum Vorschein kommen lassen. Es geht darum, einander zu vertrauen und gemeinsam zu wachsen. Neues kennen zu lernen und sich bei den Übungen gegenseitig Halt zu geben, kann auch das Vertrauen und die Achtsamkeit im Alltag füreinander stärken und das Erlebnis in den Alltag transportieren. Den jeweils anderen Herzensmenschen wieder anders wahrzunehmen ist ein Geschenk und kann so ein Mehrwert für das ganze Familienleben sein.

Komm mit mir ins Abenteuerland

Die winterlichen Familienyogaübungen sollen euch mitnehmen auf eine kleine Reise, hinein ins Wunderland zwischen funkelnden Tannenbäumen und Weihnachtslichtern. Rollt euch eine Matte aus oder eine Decke und schaut einfach, was ihr ausprobieren möchtet. Geht nur in die Übungen hinein, die euch guttun und verändert Haltungen, wenn sie für euch so besser passen. Nicht jede Übung ist für jeden gemacht. Jeder Körper ist anders und gerade, wenn die Größenunterschiede, Körperproportionen und Kräfte voneinander abweichen, ist ein achtsamer Umgang miteinander wichtig. Fühlt sich die Übung für beide Seiten gut an? Was braucht ihr in diesem Moment? Je nachdem wie ihr euch fühlt, braucht es vielleicht eine ruhigere Übung zum Spüren und Innehalten oder eine herausfordernde Kraft oder Balanceübung. Wärmt euch vorher ein wenig auf, um in die Stimmung zu kommen und den Alltag abzuschütteln: tanzen, Körperteile kreisen, alles ist möglich. Musik je nach Laune und Vorhaben an und los geht es. Verabredet euch zwischen den Hausaufgaben, vor dem Schlafengehen oder entscheidet morgens spontan, ob es zum Adventskalendertürchen noch ein wenig „Yoga-to-go“ braucht.

Die etwas andere Yogapraxis

Wenn ein Elternteil vielleicht schon Yoga macht oder ausprobiert hat, kennt ihr wahrscheinlich schon einige Asanas (Körperübungen) oder Atemübungen (Pranayama). Beim Familienyoga gibt es hier kein richtig oder falsch, es soll guttun und nicht die perfekte „Instagram-Asana“ sein. Hier kommt es bei den Übungen viel mehr darauf an, etwas zu finden, was euch Spaß macht und gut tut. Aufeinander achten und sich zu spüren, ist hier viel wichtiger. Das Motto ‘unperfekt ist perfekt’ trifft es hier vielleicht ganz gut. Ihr könnt mit den Yogabildern eine Bewegungsgeschichte erzählen oder einfach eine einzelne Übung heraussuchen oder eine Karte ziehen lassen, Flaschendrehen usw. Lebt euch gemeinsam kreativ aus. Ihr könnt auch jederzeit, wenn mehrere Geschwisterkinder dabei sind, die Übungen mit mehreren machen. Dann verschwindet zum Beispiel ein weiterer Hund unter dem Iglu oder euer Yogatannenbaum bekommt einfach noch mehr Äste. Macht es zu eurer Yogapraxis und euch fällt bestimmt noch einiges mehr ein. Wenn ihr unsicher seid bei Balancehaltungen oder Übungen, die aufeinander „aufgebaut“ werden, holt euch einen Helfer, einen so genannten Spotter mit ins Boot, der euch stützen kann.

Erwartungen ablegen

Ohne Leistungsdruck Neues entdecken. Zeit schenken und eure Bindung nachhaltig stärken, dass sind Ziele des Familienyogas und bringen somit auch einen kleinen Teil der Yogaphilosophie mit in euren Alltag. Wie gehe ich mit meinen Mitmenschen und mit mir selbst um (Yamas und Niyamas). Habt Spaß und Freude beim Ausprobieren. Kullert euch kichernd über den Boden, baut gemeinsam etwas auf, oder spürt in der Stille den Atem des anderen. Und zu guter Letzt könnt ihr einfach im Anschluss Plätzchen schnabulieren oder kuscheln. Da ist für jeden etwas dabei. Schaut auch mal in die anderen Yogastern Blogartikel, dort findet ihr noch mehr Inspirationen für Massagen und Co. Oder auch eine kleine Familienyoga-Inspiration auf YouTube.

Bis bald und frohes Kugeln unterm Weihnachtsbaum,

deine Biene


Yogaübungen zur Vorweihnachtszeit

Licht schenken (die gemeinsame Adventskerze):

Legt euch bequem hin, die Hände können Kontakt halten. Schließe, wenn du magst deine Augen. Lehnt die Beine aneinander an, haltet sie oben oder schaukelt auch mal sanft von links nach rechts, wie die flackernde Flamme der Adventskerze. Ihr könnt auch tief in den Bauch einatmen und die Flamme mal auspusten.


Gemeinsam wachsen (der Yogabaum in der Weihnachtszeit):

Stellt euch nebeneinander auf und hebt das jeweils äußere Bein an und stellt den Fuß an der Innenseite des anderen Beins auf. Schau, wo dein Fuß gut Halt findet. Achtung, nicht auf Kniehöhe ablegen, das gibt zu viel Druck auf das Knie. Reicht euch die Hände, nehmt euch in den Arm, lasst die Zweige gen Himmel wachsen. Überlegt, wie eure Tanne aussehen soll. Lehnt euch aneinander an und balanciert euch aus. Tipp: Wenn du dir einen festen Punkt vor dir suchst, auf den du schaust, fällt dir das Ausbalancieren leichter. Strahlt und schmückt euch gegenseitig mal mit einem Kompliment.


Atem lauschen (Partnerlangsitz oder auch der Schornstein):

Setzt euch Rücken an Rücken und streckt dabei die Beine von euch weg oder kommt in einen kreuzbeinigen Sitz oder Fersensitz. Richtet den Rücken auf und spürt einfach mal, wie es sich anfühlt die Nähe, den Halt, die Atembewegung, die Wärme des anderen so nah zu spüren. Atmet gemeinsam tief durch. Durch die Nase ein und wieder aus. Oder haucht auch mal den Atem wie einen leichten, winterlichen Sturm durch den leicht geöffneten Mund wieder aus. Ihr könnt auch den Oberkörper gemeinsam in eine Richtung kreisen oder euch sanft vor und wieder zurück schaukeln.


Raum schaffen (doppelter Hund oder wie man eine Hundehütte im Winter baut):

Mama oder Papa kommen aus dem Vierfüßlerstand in den herabschauenden Hund. Hände sind schulterbreit, Füße in etwa hüftweit aufgestellt. Der Rücken ist lang, die Beine können gebeugt oder gestreckt sein, der Blick ist zwischen die Hände oder unter dich gerichtet. Das Gewicht ist gleichmäßig auf die Hände verteilt, die Finger aufgefächert. Das Kind stellt sich nah, mit dem Rücken zu Mama oder Papa, auf. Die Hände werden auf den Boden gelegt und die Füße vorsichtig auf den unteren Rücken von Mama oder Papa aufstellt. Sprecht euch ab, ob etwas individuell verändert werden muss oder jemand als helfende Hand daneben stehen soll. Atmen nicht vergessen.


Rudolph entdeckt die Welt (Herzöffnung und Vertrauensübung)

Mama oder Papa kommen wie oben beschrieben in den Vierfüßlerstand. Das Kind setzt sich sanft auf das Gesäß des Elternteils und legt sich langsam auf dem Rücken des Eltern-Rentiers ab. Reicht euch zum Stabilisieren und Ankommen zunächst die Hände und wenn das Kind so weit ist, kann es sein Geweih in den Himmel recken oder über den Kopf geben. Oder wenn es müde ist, einfach mal hinunter hängen lassen. Wenn es für beide angenehmer ist, kann das große Rentier auch in die Kind Position kommen (sich aus dem Fersensitz nach vorne ablegen und eventuell die Beinhaltung anpassen). Tief durchatmen und genießen. Für den erhöhten Schwierigkeitsgrad kann das Mama-Papa-Rentier mal einen Rentierbuckel machen und den Rücken anschließend wieder durchhängen lassen.


Über die Gastautorin Sabine Blum

© Sabine Blum

Sabine entdeckte in ihrer ersten Schwangerschaft Yoga für sich und erlebt Yoga seitdem im Alltagstrubel einer dreifachen Mama als Anker und Entdeckungsreise zugleich. Schon bei ihrer Arbeit als Kinderkrankenschwester wurde ihr einmal mehr bewusst, wie wichtig physische und psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen ist. Etwas für sich zu haben, das Stärke, Begeisterung, Ausgeglichenheit, Mut und vieles mehr wachsen lässt, sollte für jedes Kind möglich sein! Sie möchte Kindern zeigen, was sie durch Yoga in sich selbst finden können und es manchmal auch nur herauslocken müssen. Als Kinder- und Teenyogalehrerin hat sie die Chance, die Kinder ihren eigenen Koffer für das Leben packen zu lassen.

Für die Yogastern Akademie unterstützt sie Stefanie als Co-Referentin für die 100h Kinderyoga- und Teenyogalehrer Ausbildung.

Hier erfährst du mehr über Sabine: https://www.yogamitbieneblum.de/


Vielen Dank, liebe Sabine, für diese wundervoll weihnachtlichen Übungen! In der geschäftigen Adventszeit sind solche ruhigen, vertrauten Familienmomente wertvolle Ruheinseln für uns alle. Ich hoffe, viele weitere Familien entdecken Yoga für die kleine Auszeit zwischendurch!


Bildnachweise: Fotos: © Sabine Blum

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