Meine Yogakinder lieben Sonnengrüße! Unter dem Motto “Let the sun shine in” lade ich sie dazu in jeder meiner Kinderyoga-Stunden ein. Manchmal am Anfang der Stunde oder mitten in einer Geschichte, bei der wir gemeinsam auf Reisen gehen. Und es ist einer DER Zeitpunkte der Stunde, auf den sich die Yogakinder am meisten freuen. Warum das so ist, will ich dir heute verraten. Ebenso wie zwei Sonnengruß-Varianten, die du sowohl als Sonnengruß-Praxis in deiner Yogastunde mit Kindern und Familien nutzen oder einfach mit deinen Kindern zuhause oder als Lehrkraft in der Schule ausprobieren kannst.

Kinderyoga: Ohrwurm trifft Turnfloh

Warum lieben kleine Yogis Sonnengrüße so sehr? Alle Kinder lieben Wiederholungen, Verse, Lieder, Reime, Merksprüche und Spiele. Sie haben eine erstaunlich schnelle Auffassungsgabe, wenn es darum geht, sich solche Dinge zu merken. Automatisch werden sie in den Alltag integriert. Gerne denke ich daran, wie sich meine Kinder die Lieder von Oma Rosemarie im Kindergarten merken konnten und lauthals geträllert haben (ohne selbst überhaupt einen Text dazu lesen zu können!). Ich bewundere diese kleinen Menschen, die dabei so große leuchtende Augen bekommen. Oftmals wird es sogar noch einfacher, wenn Kinder den Text mit einhergehenden rhythmischen Bewegungen abrufen können. Unterschiedliche Gehirnareale werden dabei faszinierend verknüpft. Schon den kleinsten Yogis bis hin zu den Grundschulkindern macht es Spaß, jeden Impuls in eine Bewegung umzusetzen. Das können wir beim Kinderyoga spielerisch fördern und Raum geben. Den Sonnengruß in einer ganzen Gruppe gemeinsam zu praktizieren und allem einen Ton, eine Stimme zu geben, erweckt die Stunde zum Leben.

Sonnengruß: Was die alten Yogis schon wussten

Die Sonnengruß-Tradition ist schon seit tausenden Jahren Teil des Lebens eines Yogis. Was früher „ein Verneigen an die Sonne“ als Leben schenkendes Licht und Wärmespender auf der Erde war, ist nun ein ebenso fester Bestandteil in der Hatha-Yoga-Praxis der westlichen Welt. Bei Kindern sind sich wiederholende Stundenelemente besonders wichtig und stecken so einen für sie sicheren Rahmen der Stunde ab. Es ist der Teil der Stunde, bei sie einen ersten Flow (fließender Bewegungsablauf) kennenlernen und alle gleichermaßen im Stundenverlauf abgeholt werden.

Die Sonnengruß-Varianten fördern Beweglichkeit, Konzentration und Koordination. Sie aktivieren den (müden) Körper und Geist am Morgen oder während eines Leistungstiefs am Tag. Die Muskeln erwärmen sich (bei uns Erwachsenen vielleicht noch wichtiger als bei den kleinen Yogis) und sind bereit für Spiele, Geschichten und weitere Übungen. Fast nebenbei praktizieren die Kinder „Grund-Asanas“ wie den Hund oder die Kobra. Wer mag, kann dies auch ganz Kinderyoga getreu mit den entsprechenden Lauten versehen. Gelerntes wird gefestigt und manchmal sind die Kinder im Ansagen des Sonnengrußes nachher schneller unterwegs als die Yogalehrer.

Der Kreativitätsteppich der Kinderyogalehrer

Während es bei der eigenen Mini-Yoga-Praxis daheim vermutlich eher keine große Variation geben wird (was ja auch Sinn des Ganzen ist, ein Element der Stunde gut umsetzbar mitgeben zu können), bietet sich Kinderyogalehrer:innen Möglichkeit zur Entfaltung. Hier könnt ihr für die Stunden einen eigenen Merkspruch oder ein Lied formulieren und je nach Vorlieben oder für einen besonderen Anlass etwas kreieren. Ändert z.B. mal das Tempo von Faultiergeschwindigkeit in Blitzgeschwindigkeit oder die Lautstärke von Flüsterton bis hin zu lautem Gesang. Das bringt Abwechslung mit hinein und macht Asana-Abfolgen neu erlebbar. Oder lasst die Kinder den Sonnengruß, wenn sie ihn bereits beherrschen, mal reihum ansagen. So erzeugt ihr eine ganz andere Aufmerksamkeit für diesen Stundenteil.

Sonnengrüße mit Mantren oder Affirmationen („Ich bin mutig“; „Ich bin stark“; „Ich bin konzentriert, wie eine Kobra“ à la KiYoMaMu – Tipp: Album „Schön, dass du da bist“ von KiYoMaMu) bieten Kindern nicht nur die physischen Unterstützungsmöglichkeiten eines Sonnengruß-Flows, sondern bewirken auch auf der mentalen Ebene sehr viel. Das sehr melodische Sonnengruß-Lied von Mai Cocopelli führt mit schönen Klängen und Humor durch den Bewegungsablauf, bei dem Erwachsene und Kinder gleichermaßen Spaß haben und gefordert werden.

Von der Sonne wach geküsst

Ich lasse die Kinder anschließend sehr gerne „Nachspüren“: die Lebendigkeit spüren, wenn beim Handauflegen auf Herz und Bauch, Herzschlag und Atemfrequenz im Körper fühlbar sind. Die Kinder bekommen dadurch ein anderes Körperschema und entwickeln eine andere Achtsamkeit für den eigenen Körper, wenn der Körper erlebbar wird. Nicht selten finden sie in solchen Momenten heraus, wo sie ihr Herz im Körper ertasten können. Leben spüren können. Ein Leben, dass durch die Sonne erst möglich ist und uns unseren Lebensrhythmus vorgibt. Hier schließt sich wieder der Kreis. Egal, ob bei den älteren männlichen Yogis vor tausenden von Jahren oder bei den kleineren Menschen in der heutigen Zeit, wird mir einmal mehr bewusst, welche Faszination, Bewegung, Natur, Gemeinschaft und Rituale auf uns ausüben können.


Der Sonnengruß für jede Gelegenheit

Im Folgenden sind zwei Sonnengrüße von Stefanie Weyrauch („Yogastern“) aufgeführt. Der Kleine Sonnengruß eignet sich als kurze Aktivierung des Körpers auch schon für jüngere Yogis, um ihn im Familienalltag oder der Yogastunde zu integrieren. Der Große Sonnengruß ähnelt hingegen schon mehr dem der Erwachsenen. Beide halten einen leicht einprägsamen Merkspruch bereit, der Kinder lange durch ihre Kinderyogajahre hindurch begleitet.

KLEINER SONNENGRUSS

„Hallo liebe Sonne“ – Berg

„Hallo liebe Erde“ – Vorbeuge oder Hocke

GROSSER SONNENGRUSS

„Ich grüße die Sonne“ – Berg

„Ich grüße die Erde“ – Vorbeuge

„Ich mach ein Schritt nach hinten“ – Ausfallschritt

„Ich strecke mich, wie ein Hund“ – Hund

„Komm nach unten und“ – Stab (Knie, Brust und Kinn zur Bauchlage ablegen)

„Zische wie eine Schlange“ – Kobra

„Ich strecke mich wie ein Hund“ – herabschauender Hund

„Ich mache ein Schritt nach vorne und“ – Ausfallschritt

„Ich grüße die Erde“ – Vorbeuge

„Ich grüße die Sonne“ – Berg           ….. Namasté

Was bleibt noch zu sagen?! … rollt einfach noch einmal mehr die Matte in Richtung Sonne aus und erlebt den Kinderyoga-Sonnengruß vielleicht als neues Alltagsritual mit der Familie, in der Schule, im Kindergarten oder im Kursraum deiner Kinderyogastunden.

In diesem Sinne gibt es dieses Mal ein paar sonnige, wärmende Grüße von mir im Januar.

Bis bald, alles Liebe, deine Biene


Über die Gastautorin Sabine Blum

© Sabine Blum

Sabine entdeckte in ihrer ersten Schwangerschaft Yoga für sich und erlebt Yoga seitdem im Alltagstrubel einer dreifachen Mama als Anker und Entdeckungsreise zugleich. Schon bei ihrer Arbeit als Kinderkrankenschwester wurde ihr einmal mehr bewusst, wie wichtig physische und psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen ist. Etwas für sich zu haben, das Stärke, Begeisterung, Ausgeglichenheit, Mut und vieles mehr wachsen lässt, sollte für jedes Kind möglich sein! Sie möchte Kindern zeigen, was sie durch Yoga in sich selbst finden können und es manchmal auch nur herauslocken müssen. Als Kinder- und Teenyogalehrerin hat sie die Chance, die Kinder ihren eigenen Koffer für das Leben packen zu lassen.

Für die Yogastern Akademie unterstützt sie Stefanie als Co-Referentin für die 100h Kinderyoga- und Teenyogalehrer Ausbildung.

Hier erfährst du mehr über Sabine: https://www.yogamitbieneblum.de/


Vielen Dank, liebe Sabine, für diesen tollen Beitrag zum Thema Sonnengruß. Auch in meinen Kinderyogastunden sind die kleinen Yogis mit so einem Eifer dabei und lernen die Abfolge so unglaublich schnell, dass es mich immer wieder begeistert!


Bildnachweise: Fotos: Titelbild © Canva | alle anderen Fotos: © Sabine Blum

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