Kinder machen Quatsch

Das Unterrichten von Kinderyoga birgt manchmal Herausforderungen, die uns als Lehrer:in auf die Probe stellen. Zum Beispiel, wenn ein Kind die Kinderyogastunde stört. Im schlimmsten Fall gerät die ganze Gruppe in Unruhe und deine Stunde droht im Chaos zu versinken. Wüsstest du aus dem Stegreif, was zu tun ist? In diesem Blogartikel findest du wertvolle Tipps, mit denen du im Fall der Fälle deine Kinderyogastunde rettest.

Die Kinderyogastunde beginnt. Du bist schon voller Vorfreude, wie die Kinder die Stunde mit dir erleben werden. Du hast viele Ideen und Herzblut in das Thema hineingegeben, deiner Kreativität freien Lauf gelassen und blickst erwartungsvoll in die Kinderaugen. Aber irgendwie merkst du, dass du heute nicht alle Kinder erreichst. Ein kleiner Yogi (oder eine kleine Yogini) scheint gar nicht mitzubekommen, was du machst. Rollt sich erst auf der Matte hin und her, schaut zum Fenster heraus, zupft an der Deko der Kreismitte herum und murmelt etwas vor sich hin. Bis er oder sie aufsteht und einfach mal auf die anderen Matten hüpft, um zu schauen, was beim Nachbarn denn so los ist. Das Kind tanzt sprichwörtlich aus der Reihe. Wir sind doch hier in der Gruppe und leben die Yogastunde, darf das sein?!

© Sabine Blum

Wenn ein Kind einen anderen Plan für deine Kinderyogastunde hat

Vor dir hast du vielleicht dieses Bild vom engelsgleichen, meditierenden Yogakind im kreuzbeinigen Sitz, mit geschlossenen Augen auf der Matte. Ganz bei sich, still, fast wie du auf deiner Yogamatte, wenn du Yoga praktizierst. Doch stattdessen kann die Realität durchaus anders aussehen: Es ist ein Kind dabei, das seinen eigenen Plan für die Stunde verfolgt und dich als Lehrer:in auf die Probe stellt.

Es wird vielleicht unruhiger und lauter. Du blickst in die anderen Gesichter, ein Kind grinst und lässt sich mitziehen. Der Junge auf der gegenüberliegenden Kreisseite fühlt sich sichtlich unwohl, er rutscht mit seinem Po von links nach rechts und schaut unter sich, während es den ein oder anderen impulsiven Zwischenruf von der Nachbarmatte gibt. Kennst du solche Situationen?!

Hand aufs Herz! Ich muss dir sagen, dass wir als Kinderyogalehrer:in alle mal durch solch eine Situation müssen. Kinder leben Yogastunden anders und sind meistens nicht so still in die Asana-Ansagen auf der eigenen Matte vertieft und können oder wollen alle Emotionen und Bedürfnisse des Tages unterdrücken. Kinder sind authentischer, direkter und geben dir ein direktes Feedback, was sie genau in diesem Moment brauchen… Wir Erwachsenen können uns aber wieder in die Gesichter einlesen!

Unruhige Kinder mitnehmen auf die Erlebnisreise Kinderyoga

Wie gelingt es dir, möglichst wieder alle Kinder da abzuholen, wo sie jetzt genau in diesem Moment stehen? Und sie mitzunehmen auf eure gemeinsame Erlebnisreise in der Kinderyogastunde? Finde die eigene Balance und den Spaß in eurer Stunde wieder und meistere mit ein paar Tipps, die ich dir heute mit an die Hand gebe, herausfordernde Situationen. Grundsätzlich beachte immer: JEDE STUNDE IST ANDERS. Soll heißen, es gibt kein Patentrezept. Jede Gruppenkonstellation, Gruppendynamik und jeder Kurstag sind einfach komplett anders!

Jedes Kind hat bis zum Zeitpunkt des Starts der Stunde schon eine Menge an diesem Tag erlebt. Stress mitbekommen, sich gestritten, vertragen, geweint, getanzt, gelacht, war traurig, hat wenig gegessen oder ist müde. Dies alles steht nicht explizit auf seiner Stirn geschrieben. Aber wenn du die Kinder etwas besser kennst und versuchst es heraus zu finden, kannst du leichter auf bestimmte Bedürfnisse eingehen, bevor eine Situation „schwierig“ wird. Und du lernst auch Manches spielerischer mit einer Leichtigkeit zu nehmen.

© Sabine Blum

17 Tipps für herausfordernde Situationen

  • Regeln geben Halt: Lege einen Regelrahmen gemeinsam mit den Kindern fest. Regeln gelten für ALLE und bieten einen sicheren Bewegungsspielraum. Schreibt oder malt sie auf. Die Kinder werden sich auch untereinander daran erinnern.
  • Perspektivwechsel durch Platzwechsel: Manchmal reicht es schon, das Kind näher zu sich zu holen, um es so aus der Situation heraus zu locken. Vielleicht braucht es in mancher Stunde auch die Nähe zu dir als Kinderyogalehrer:in oder einfach eine andere Sicht auf die Dinge. Wenn ein Kind sich eine „Auszeit“ nimmt, kann es die Gruppe beobachten und möchte vielleicht auch schneller wieder mit an Bord kommen.
  • Gruppen- und Einzelfeedback abholen: Frage am Anfang der Stunde in einer kleinen Begrüßungsrunde einfach, wie es den Kindern geht, was an diesem Tag schön oder blöd war. Manchmal reicht es auch einen Ball mit Smiley, Gefühlskarten oder ähnliches herumzugeben. So weißt du schon ein wenig mehr über den Tag deiner Yogis und das Stimmungsbarometer bekommt eine Farbe.
  • Rückzug ermöglichen: Wenn ein Kind Ruhe braucht, lasse es zu. Vielleicht mag es wirklich mal nur in die Beobachterrolle gehen, sich in eine Decke einkuscheln usw. Es ist großartig, wenn ein Kind seine eigenen Bedürfnisse kennt und ihnen Raum geben kann. Das zeigt ihm, dass es seine eigenen Gefühle nicht unterdrücken muss und ernst genommen wird.
  • Betreuungs-Backup nutzen: Falls das Kind vielleicht gar nicht teilnehmen möchte, hilft es, wenn es ganz aus der Situation heraus gehen kann. Findet deine Stunde beispielsweise in einer Schule statt und eine Betreuung ist vor Ort, dann solltest du auf diese zurückgreifen.
  • Einzelgespräch: Frage direkt: Wie geht es dir? Was brauchst DU?
  • Elterngespräch: Höre auf dein Gefühl und sprich mit dem Kind, falls du das Gefühl hast, es möchte gar nicht zum Yoga. Sprich es offen an! Yoga kann, muss aber nicht für jedermann etwas sein. Vielleicht wächst da eine junge Handballerin oder Schachspielerin, ein kleiner Angler oder Streetdancefan heran. Dieses Kind findet seinen Ausgleich einfach woanders.
  • Bedürfnisse erkennen: Wie sieht es aus mit Pipipause, Trink- oder Knabberpause für alle? Unruhe entsteht auch, wenn Bedürfnisse unterdrückt werden.
  • Interdisziplinärer Austausch: Sollte das Verhalten häufiger auftreten, gehe ins Gespräch mit Erzieher:innen, Lehrer:innen oder Sozialarbeiter:innen, die vielleicht mit vor Ort sind. Es kann sein, dass man gemeinsam mehr entdeckt und dem Kind Unterstützung geben kann.
  • Gelbe oder Rote Karte: Manchmal helfen deutliche Zeichen, wie beim Fußball, um Grenzen aufzuzeigen. Die Gelbe Karte ist wie eine Verwarnung und bei der Roten Karte gibt es eine kurze Auszeit.
  • Halt geben: Viele Kinder suchen nach „körperlicher Begrenzung“ und suchen sich selbst im Raum. Durch verschiedene Atem- und Wahrnehmungsübungen, wie zum Beispiel mit Sandsäckchen, Massagen, Decken, Kindhaltung oder Balancen, können die Kinder wieder ein anderes, eigenes Körperschema entwickeln und Halt erfahren. Oder lass die Kinder sich einmal bewusst in ihre Matten einrollen (sie werden sich freuen!)
  • Assistentenrolle verteilen: Gib dem Kind ein paar Aufgaben, die es stolz erfüllen kann und die auch ernst gemeint sind.
  • Nimm es nicht persönlich: Es hat in den seltensten Fällen etwas mit dir als Kinderyogalehrer:in zu tun. Vieles im Außen kannst du nicht beeinflussen.
  • Finde eigene kreative Lösungen, ganz gruppenspezifisch
  • Folge deinem Instinkt und höre dabei auf deine innere Stimme.
  • Bleibe flexibel, um die Stunde anpassen und fließen lassen zu können
  • Ach ja: Es gibt nicht DIE LÖSUNG schlechthin! Und man muss eine Lösung auch nicht an jedem Tag sofort parat haben.

Wie du merkst, gibt es viele kleine Stellschrauben, an denen du drehen kannst. Denke aber immer daran, das weder wir großen und erst recht nicht die kleinen Menschen Maschinen sind, bei denen sich immer alles sofort lösen lassen kann und muss. Manchmal sind es auch diese herausfordernden Situationen, die uns wachsen lassen und eine Gruppe zusammenschweißen können.

Nur weil ein Kind nicht immer sofort das umsetzt, was du vorgibst, heißt es noch lange nicht, dass es nichts von deinen Stunden mitnimmt. Ihr steckt den Rahmen und du musst für dich entscheiden, wo deine persönlichen Grenzen sind. An erster Linie stehen die Freude und Leidenschaft, die du in deinem Tun verspüren solltest.

Ich würde mich freuen, wenn heute ein paar Tipps für dich mit dabei waren. Genieß es und denk immer daran: kleine Yogis yogieren anders!


Video: Was tun, wenn ein Kind die Stunde stört?

In diesem Video sprechen Stefanie und ich über die Frage, was zu tun ist, wenn ein Kind die Kinderyogastunde stört.

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Über die Gastautorin Sabine Blum

© Sabine Blum

Sabine ist dreifache Mama, die so gut es geht, dem eigenen inneren Kind mit Begeisterung Raum zum Ausleben gibt. Sie genießt es mit oder ohne ihre drei Energiebündel Zeit auf der Yogamatte oder draußen in der Natur zu verbringen. Beruflich ist die gelernte Kinderkrankenschwester nun als Yogalehrerin für Kinder, Teens, Schwangere und Mamas mit Babys unterwegs und liebt es Klein und Groß ein Stück des Weges begleiten zu dürfen.

Für die Yogastern Akademie unterstützt sie Stefanie als Co-Referentin für die 100h Kinderyoga- und Teenyogalehrer Ausbildung.

Hier erfährst du mehr über Sabine: https://www.yogamitbieneblum.de/


Vielen Dank, liebe Sabine, für deine hilfreichen Tipps! Diese Herausforderung begegnet uns allen wohl dann und wann in einer Kinderyogastunde. Ich hoffe, dass alle Leser:innen ein paar Inspirationen für ihren Unterricht mitnehmen können!

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