Viele Jugendliche wünschen sich mehr Selbstbewusstsein. Denn auf dem Weg zum eigenen Ich lauern in der Pubertät viele Fragen, Selbstzweifel und Herausforderungen. Yoga kann in dieser Zeit ein wertvoller Ruhepol sein, damit Teens trotz Gefühlschaos ganz bei sich sind und Veränderungen annehmen können. In diesem Beitrag verrate ich dir wie.

Ich beginne diesen Beitrag mit einem erstmal leeren Worddokument, was vor mir liegt. Aber im Kopf fliegen schon gefühlt tausend Gedanken nach einem ersten Brainstorming umher. Überleg dir das mal, im Kopf eines Jugendlichen sieht es vermutlich viel öfter so aus, wie bei mir und dir! Es sei denn, du bist ein Jugendlicher und dir fällt ausgerechnet dieser Artikel in die Hände… Dann begibst du dich vielleicht, wenn du es noch nicht getan hast, auf die Suche nach einer freien Yogamatte für dich.

Yoga ist für mich ein Teil meines Lebens geworden und ich kann unendlich viele Punkte aufzählen, warum es mir guttut. Und auch erzählen, warum jede andere Altersgruppe, in jeder beliebigen Lebenssituation im Yoga einen riesengroßen Schatztruhe finden kann, mit Dingen, die er nicht mehr missen möchte, wenn sie einmal kennengelernt werden konnten. Warum Yoga für Jugendliche so viel Mehrwert hat, möchte ich nun hier „zu Papier“ bringen.

Die Sache mit dem eigenen Ich

Jugendliche befinden sich eine Zeit lang auf einer wilden Achterbahnfahrt der Gefühle und Hormone. Auf dem Weg nach DEM eigenen ICH, mit all den Fragen nach der eigenen Identität – dem ‘Woher komme ich?’, ‘Wer bin ich?’, ‘Wo will ich hin?’ und ‘Warum bin ich hier? – passiert so wahnsinnig viel. Yoga kann hier einen festen Anker darstellen, um im eigenen Körper, im Hier und Jetzt anzukommen.

Nicht jeder Jugendliche bestreitet seinen Weg ohne Sorgen und Ängste. Viele genießen auch nicht so viele Freiheiten und Unbekümmertheit, die sie voller (Selbst-)Vertrauen und Zuversicht durch eine rosarote Brille schauen lassen. Die aktuelle Weltsituation bringt Jugendliche ins Grübeln und manches ist für kleine und größere Menschen gerade eine Fahrt ins Ungewisse. Schon in Jugendjahren entsteht mittlerweile ein Gefühl von Stress und Stresssymptome zeigen sich. Wie ich aber in diesem Alter mit verschiedenen Gefühlssituationen zurechtkomme und auch aus den kleinen Dingen Kraft und Freude schöpfen kann, kann man im Yoga lernen.

Selbstbewusstsein heißt für mich zum einen, „SICH SEINER SELBST BEWUSST ZU SEIN“, den Körper und seine Gefühle zu kennen, wahrzunehmen und zu achten. Daraus entsteht ein Bild der eigenen Person, bei welcher man von dem überzeugt ist, was man kann und mit ein wenig Stolz der ist, der man eben ist.

Was kann Yoga Jugendlichen geben?

Hier setze ich gerne in meinen Yogastunden für die Teens an. Es geht nicht nur um reine, TikTok oder YouTube reife Asanas (Körperhaltungen) in schicken Leggins und Co. Es geht vielmehr um das, was ich mit dem eigenen Körper und dem Geist spüre. (Was nicht heißt, dass man als Erwachsener, der mit Teens Zeit verbringt, die Medienplattformen verteufeln sollte. Im Gegenteil, sie sind Teil der modernen Gesellschaft und bieten den Jugendlichen auch teils wertvollen Input.) Durch Körperwahrnehmungsübungen, Achtsamkeitsimpulse und Selbstreflexion werde ich mir meiner Identität mit allem was dazu gehört bewusst und lerne den Körper kennen. Das ist so wichtig in einer Lebensphase, in der alles auf den Kopf gestellt wird, der Körper sich mit seinen Proportionen so rasant und prägend verändert. Mit dem Produzieren der Geschlechtshormone wächst ein Bart, eine Brust, die Hüften werden runder, die Stimme wird tiefer, die Schultern breiter. Noch dazu tobt manchmal ein Tornado im Kopf, der so ziemlich die gesamte Gefühlspalette, die es gibt, zu Tage bringt.

Kennst du das Buch „Das Farbenmonster“ von Anna Llenas? Dieses Farbenmonster ist manchmal fröhlich wie ein goldgelber Sonnenschein, traurig und zurückgezogen wie ein blauer stiller See, rotschäumend vor Wut oder hat eben diese rosarote Brille voller Verliebtheit auf. Es muss erst lernen all diese Gefühle zu sortieren. Dann eben ist es ausgeglichen und zufrieden und ruht in sich selbst. Das gilt für kleinere Kinder,  aber auch noch – wenn auch anders – für die Teenagerzeit. Eine gewisse Sicherheit geht zunächst verloren, da sich jeder von uns in diesen Jahren erst wieder selbst entdecken muss. Manchem gelingt es früher als anderen. Aber sich im eigenen Körper wohlzufühlen und gewisse Werte, die einem selbst wichtig sind, zu festigen, unterstützen die Entwicklung eines, wie heißt es so schön, „gesunden Selbstbewusstseins“.

Yoga als Ruhepol für Teens

Viele Jugendliche fühlen sich mit Bewegung in dieser Zeit wohler und kommen im veränderten Körper an. Veränderte Hebel beim Körper lassen den ein oder anderen teils tollpatschig wirken, aber es ist anfangs fast als wäre man in ein Kostüm gerutscht, was noch ausgefüllt werden muss. Mir persönlich tat früher Leichtathletik wahnsinnig gut. Ich bin gelaufen, gelaufen, gelaufen und habe mich wohler gefühlt. Der Kopf wurde freier, der Körper fühlte sich lebendig an und ich brauchte in dieser Zeit etwas für mich, mit großartigen Menschen drum herum, die ich nicht missen möchte, um zu Lachen, Dampf abzulassen und, und, und. Was mir trotzdem im Nachhinein gefehlt hat, war vielleicht Yoga.

Jeder Mensch ist anders und Yoga nicht für alle etwas. Aber beim Yoga gibt es keinen Leistungsdruck und entsteht eher ein Ruhepol, bei dem alle Gedanken zur Ruhe kommen dürfen und sortiert werden. Ich-Zweifel werden abgelegt, da es bei manchen Übungen einfach darum geht, positiv auf das zu gucken, was man selbst macht, sich selbst mal auf die Schulter zu klopfen. Herausfordernde Asanas, Gleichgewichtsübungen, wie die Krähe, der Held 3 und der Halbmond bestärken die Jugendlichen. Balance wird nicht nur äußerlich hierbei gefunden. Standhaltungen wie der Berg, der Stuhl oder der Baum lassen Stabilität spüren, Urvertrauen und Wurzeln wachsen und sorgen für Erdung.

Von A wie Asana bis Z wie Zocken

Die körperlichen Übungen sind für alle Jugendlichen ein toller Ausgleich, vor allem um die Wirbelsäule wieder aufzurichten, die Rückenmuskulatur zu stärken, groß und stolz zu sein mit breiten Schultern bei vermehrten Sitzen vor Schulbüchern, Smartphones, Computer und Co. Begleiterscheinungen wie Kopfschmerzen oder Bauchschmerzen bei Stress können gemildert werden, sodass sich der eigene Körper gut anfühlt. Und wer sich wohl fühlt, ist auch selbstbewusster. Wenn ich mit einer gewissen Selbstdisziplin jeden Tag zwei Sonnengrüße mache, bringe ich meinen Kreislauf in Schwung, fühle mich vitaler und bin auch eher der König oder die Königin des eigenen Alltags. Wenn auch sonst ein anderer Sport ausgeübt wird, kann Yoga durch das Dehnen und die Förderung der Beweglichkeit einen guten Ausgleich bieten. Für Mädels kann es ein Thema sein, mit einfachen Übungen ein Gefühl für den Beckenboden zu bekommen, der im Leben einer Frau eine große Rolle für das Wohlbefinden, die Rückengesundheit und auch die Kontinenz spielt.

Die Atemübungen sorgen dafür, dass die Jugendlichen Energie tanken können oder sich in Situationen, vor denen sie zum Beispiel aufgeregt sind oder Angst haben, beruhigen können – getreu dem Motto „Atme mal tief durch“. Zumal finde ich eine tiefe Bauchatmung so wichtig. Allein schon deshalb, damit die Teenager den eigenen Körper, den Bauch, den Atem spüren. Zulassen, was dort physiologisch passiert, anstatt den Bauch einzuziehen nach Model-Idealen.

Mit den sogenannten Affirmationen, positiv formulierten Sätzen, die bei Wiederholung ins Unterbewusstsein übergehen – wie „Ich bin gut, so wie ich bin“, „Ich bin mutig“ oder „Ich bin wunderschön“, „Ich kann Stärke zeigen“ oder „Ich bin ganz konzentriert“ – gebe ich den Jugendlichen gerne ein Werkzeug für den Alltag an die Hand, um sie zu bestärken, in dem was sie sind, was sie tun. Aus Gedanken werden Worte und aus Worten Taten.

Teenyoga: Augen zu, Musik an

Musik spielt im Teenyoga eine große Rolle. Sie sorgt dafür, dass die Jugendlichen sich wohl fühlen, ausleben können und sich selbst in der Stunde wieder finden. In diesem Alter ist Musik ein Teil der Lebensphilosophie und Ausdruck der eigenen Persönlichkeit. Außerdem können sie super in Bewegungsabfolgen, Flows, spielerischen Aufwärmübungen oder Wahrnehmungsübungen wie Schütteln und Abklopfen eingesetzt werden.

Mit der RICHTIGEN Musik sorgst du als Yogalehrender auch dafür, dass sich die Teens verstanden und ernstgenommen fühlen. Oftmals ist eine Beziehung zu Erwachsenen im Jugendalter nicht selten von Konflikten im Alltag geprägt. Wenn beim Yoga eine Begegnung auf Augenhöhe stattfinden kann, sorgst du in diesem Moment für einen vertrauensvollen Wohlfühlraum.

Yogaphilosphie gibt Jugendlichen Halt

Nicht zuletzt kann auch die Yogaphilosophie mit ihren Yamas und Nyamas den Teens Halt geben, die eigene ICH IDENTITÄT und das Miteinander zu anderen Jugendlichen in ihrer Peergroup stärken. Denn die Yogaphilosophie gibt einen gewissen Verhaltenscodex vor, wie man mit seinen Mitmenschen und auch mit sich selbst umgehen sollte. Sie kann in die Yogastunden mit einbezogen werden, z.B. durch eine Geschichte am Ende, eine kleine Blind-Yogaübung oder Vertrauensübung, bei der man zum Beispiel die Grenze für seinen „Wohlfühlabstand zum Gegenüber“ steckt. Wie man es in den Wald ruft, so schallt es wieder heraus – klingt vielleicht abgedroschen, aber in Zeiten von Cyber-Mobbing und Co., wo auch viele Dinge eher virtuell geteilt und offenbart werden, muss ein Bewusstsein dafür geschaffen werden, was passiert, wenn ich mich anderen Menschen gegenüber mitteile.

Dies sind nun schon einige Punkte, warum Yoga ein schöner Begleiter zu einem guten Selbstbewusstsein sein kann und es gibt wahrscheinlich noch unzählige mehr. Versetze dich mal gedanklich in die eigene Teeniezeit hinein und überlege, was du dir dort gewünscht hättest. Und was dir Yoga dort hätte geben können. Yoga hat zwar nicht für alles eine Lösung, das wäre ja auch zu schön. Aber mit Hilfe dieser Verbindung, was Yoga grobübersetzt bedeutet, kann man vielleicht einige Lösungen selbst finden.

Geben wir den Teenagern einen Koffer für ihre eigene Reise mit. Jeder Teen kann schauen, was im Laufe der Zeit damit passiert, wann der Koffer vielleicht ausgepackt werden muss  oder eben auch verschlossen bleibt.

In diesem Sinne „Chill deine Base“ beim Beine hochlegen nach dem Blogartikel und unternimm mal eine kleine Reise in die eigenen Teeniezeit.

Bis bald, alles Liebe, deine Biene

P.S. Wer einen tollen Buchtipp für „Yoga für Jugendliche“ haben möchte, kann mal in das gleichnamige Buch von Sandra Walkenhorst hineinschauen, dort gibt es ein paar tolle Impulse.


Teenyoga Weiterbildung in der Yogastern Akademie®

Du bist selbst Yogalehrerin:in oder arbeitest pädagogisch mit Jungendlichen, z.B. in der Schule oder im Sportverein? Dann kannst du dich spezialisieren, mit der Teenyoga Weiterbildung in der Yogastern Akademie®! In diesem Video erfährst du, was dich darin erwartet.

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Über die Gastautorin Sabine Blum

© Sabine Blum

Sabine ist dreifache Mama, die so gut es geht, dem eigenen inneren Kind mit Begeisterung Raum zum Ausleben gibt. Sie genießt es mit oder ohne ihre drei Energiebündel Zeit auf der Yogamatte oder draußen in der Natur zu verbringen. Beruflich ist die gelernte Kinderkrankenschwester nun als Yogalehrerin für Kinder, Teens, Schwangere und Mamas mit Babys unterwegs und liebt es Klein und Groß ein Stück des Weges begleiten zu dürfen.

Für die Yogastern Akademie unterstützt sie Stefanie als Co-Referentin für die 100h Kinderyoga- und Teenyogalehrer Ausbildung.

Hier erfährst du mehr über Sabine: https://www.yogamitbieneblum.de/


Vielen Dank, liebe Sabine, für deine Gedanken rund um das Thema Yoga für Teens! In meinen Kursen und Weiterbildungen mache ich ebenfalls immer wieder die Erfahrung, wie wertvolle Yoga in jedem Alter ist. Ich hoffe, dass wir gemeinsam diese “Schatztruhe” noch viele, viele Male weitergeben dürfen!


Bildnachweise: Fotos: © Sabine Blum

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